DAS SCHWEIZER E-BIKE-MAGAZIN

Test: Orbea Rise SL M10

Flying High

Wie potent heutige Leicht-E-Mountainbikes sind, zeigt das Orbea Rise SL M10. In den Händen eines jungen Bike-Rennfahrers wird es zum ultimativen Trail-Werkzeug, das selbst höchste Stufen und Absätze im Gelände mit Leichtigkeit nimmt – hoch wie runter.

Das Orbea Rise SL M10 mit fest eingebautem 630-Wh-Akku im schlanken Unterrohr ist eine perfekte Symbiose des Leichtbaugedankens mit einem Motor, der nahezu die Kraft heutiger Full-Power-Antriebe besitzt.
Das Orbea Rise SL M10 mit fest eingebautem 630-Wh-Akku im schlanken Unterrohr ist eine perfekte Symbiose des Leichtbaugedankens mit einem Motor, der nahezu die Kraft heutiger Full-Power-Antriebe besitzt.

Orbea gilt neben Specialized als Mitgegründer des Light-Assist-Trends. Mit leistungsschwächeren Motoren und kleineren Akkus sollen leichtere E-Mountainbikes entstehen, die ein natürlicheres Fahrgefühl näher am normalen Mountainbike bieten. Während Specialized in Zusammenarbeit mit Mahle das Drehmoment tatsächlich um zwei Drittel auf 35 Nm kappte, ging Orbea mit dem ersten Rise im Jahr 2020 nicht ganz so weit. Zusammen mit Shimano modifizierte man den EP-8-Motor. Es entstand der EP-801 RS, wobei das Kürzel für «Rider Synergy» steht. Der Motor bekam eine sensiblere Sensorik und behielt das leichte Magnesium-Gehäuse wie beim Standard-EP-801. Das Drehmoment wurde nur von 85 auf 60 Newtonmeter reduziert; die 600 Watt Spitzenleistung liess man weitgehend unangetastet. Zum Vergleich: Das ist sogar mehr Leistung als die ersten Full-Power-Motoren vor zehn Jahren hatten! In der Praxis spürt man den Unterschied denn auch weit weniger, als es die Zahlen vermuten lassen. Mehr ins Gewicht fällt die Physik. Wo mehr Leistung abgerufen werden kann, steigt auch der Energieverbrauch, so das unumstössliche Mantra. Orbea blieb deshalb nicht lange nur bei 420-Wattstunden-Akkus, sondern bot recht bald auch 630-Wh-Stromspender an – eine Kapazitätserweiterung, die mehr als eine 50-prozentige Radiuserweiterung brachte und unbedingt zu empfehlen ist. Sie kann noch weiter ausgebaut werden, denn der optionale Range Extender bietet nochmals 210 Wh! Das Wichtigste aber: Mit dem 630-Wh-Akku, Pedalen und Flaschenhalter – also fahrfertig – bleibt das Rise SL M10 unter der 20-Kilo-Marke, ­exakt bei 19,9 Kilo! 

Diese Kombination – hohe Leistung und geringes Gewicht – und noch dazu ein hochwertiges Fox-Float-Factory-Fahrwerk, leichte DT Swiss-Räder mit ebensolcher Schwalbe-Bereifung (Wicked Will), präziser Shimano-Schaltung und standfesten Shimano-Bremsen machen das Orbea Rise SL M10 in den Händen eines jungen Rennfahrers zum ultimativen Trail-Skalpell, das messerscharf seine Bahnen zieht. Es zeigt, dass nicht das Gerät die Limiten setzt, sondern das Können des Riders. Elio heisst der junge Mann, der es an diesem sonnigen Montagnachmittag nicht erwarten kann mit dem Rise in den Trail zu stechen. Der Untergrund, dies gilt es noch anzufügen, ist vom ausgiebigen Regen der Vortage allerdings alles andere als griffig. Kein Problem für Elio, der selbst nur 56 Kilo auf die Waage bringt. Mit behänder Leichtigkeit schiesst er da den Trail hoch, wo wir normalerweise runterkommen. Kein Baumstamm ist ihm zu hoch, um ihn nicht überfahren zu können. Beim ersten Mal gerät er zwar etwas ins Rutschen und muss abstehen. Das ist für ihn aber kein Grund, zu resignieren. Sondern Ansporn, es so lange zu versuchen, bis es klappt. Mit jedem neuen Versuch gelingt ihm die Überfahrt souveräner. Es ist eine Freude, ihm zuzuschauen. Dabei wirkt Elios Gesichtsausdruck tiefenentspannt wie bei einem erfahrenen Chirurgen. 

Obschon am Testbike «nur» Zweikolbenzangen montiert sind, verzögern die Bremsen in den glitischigen Abfahrten bei geringer Handkraft mit präzisem Druckpunkt von feinfühlig bis brachial. Die Balance auf dem Rise ist eine gelungene Mischung aus Trailbike mit Abfahrtsambitionen. Der Carbonrahmen verfügt über 140 mm Federweg am Hinterbau und sogar 160 mm am Vorderrad. Der relativ flache Lenkwinkel vermittelt ein sicheres Fahrgefühl bergab. Das Sahnestück ist aber klar der Shimano-EP801-RS-Motor. Er kann sanft, aber dennoch mit genügend Druck bei geringer Pedaldrehzahl, was beim Überwinden von Hindernissen eine grosse Hilfe ist. Kurbelt man schneller, kommt mehr Leistung. Da fehlt wirklich nichts. Preis: ab Fr. 7999.–

Erhältlich über:
Amsler

Mehr Informationen in der Ausgabe 2/25 im Magazin easybiken.

Text und Foto: Martin Platter
aus: easybiken, Heft Nr. 2/2025

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