Seit Frühling 2022 läuft der easybiken-Langzeit-Test mit den beiden Kandidaten AureusDrive Power45 sowie dem Landi-E-Bike Trelago Speedster, beides E-Bike45. Rund ein Jahr später ist noch das E-MTB Canyon Spectral:On CF 7 dazugekommen – alle bisher ohne Ausfall. Aber der Serviceaufwand ist mit zunehmender Kilometerleistung am Steigen.
Mit dem AureusDrive Power45 werden nach wie vor mit Abstand die meisten Kilometer abgespult. Es wird von meinem 17-jährigen Sohn gefahren, der sich zugunsten des E- Bike45 gegen einen Töff entschieden hat. Wir haben das E-Bike (Neupreis: Fr. 4490.–) nicht gratis, sondern mit AureusDrive-Co-CEO Sergio Tresch den Deal, dass wir pro Monat 100 Franken bezahlen. Das ist auch für das Luzerner Unternehmen die perfekte Marktrecherche im aufkommenden Markt von Miete und Leasing, um Erfahrungen für eigene Angebote zu sammeln. Nicht nur das: Der Test des Aureus Superdrive in diesem Heft hat gezeigt, dass die Luzerner Firma basierend auf unseren und den Erfahrungen weiterer Nutzer ihre Modellinien konsequent verbessert.
Sichtbar wurde das bereits bei der Schutzblechhalterung. Mit den Kunststoffclips von SKS ist das Schutzblech wohl schnell montiert. Bleibt man mit dem Schutzblech jedoch irgendwo hängen, bricht die Halterung im Handumdrehen ab und das Schutzblech verbiegt. Meinem Sohn ist das schon drei Mal passiert. Aureus hat das nun geändert und verschraubt die Streben bei den neuen Modellen. Auch die Pressstahlständer, die sich verbiegen und irgendwann durchbrechen, haben wir an unserem Power45 durch Vollaluminium-Stützen von Esge-Pletscher ersetzt. Das wird künftig auch Aureus tun.
Mit unserer Miete bleibt das Power45 nicht nur in Besitz von AureusDrive. Das Risiko von hohen Unterhaltskosten, das beim Vielfahren anfällt, verlagert sich vom Halter zu Aureus. Wobei ich einräumen muss, dass ich nicht konsequent für jeden Bremsbelags- und Reifenwechsel nach Luzern zu Aureus fahre. Wenn’s eilt, lege ich gerne auch selbst Hand an, und das auf eigene Kosten.
Das Trelago Speedster hat sich meine Frau gekauft. Es kostete im Frühling 2022 Fr. 2099.–, wurde später aber auf Fr. 1499.– reduziert und ist seither unverändert im Landi-Sortiment. Der Preis ist für ein E-Bike45 mit Bafang-Nabenantrieb und 640-Wh-Akku nach wie vor ein Top-Angebot, auch wenn die Qualität nicht über jeden Zweifel erhaben ist. Wir hatten bisher zwei gerissene Speichen und einen gebrochenen Lampenhalter, sowie nach wie vor eine Software, die die Tageskilometer nur dann zu den Gesamtkilometern addiert, wenn das E-Bike in einer bestimmten Reihenfolge abgestellt wird. Auch der Akku ist bereits spürbar schwächer als am Anfang, die Akkuanzeige sehr ungenau. Das Canyon Spectral:On CF 7 ist ebenfalls in unserem Besitz. Das Vollcarbon-E-Mountainbike25 mit 900-Wh-Akku hatte neu 4859 Franken gekostet und ist bisher ohne Defekte gelaufen.
Gabel-Check für Aureus und Trelago
Auch im Frühling ist beim Power45 wieder ein grosser Service angefallen. Im letzten Jahr ist dieser vollumfänglich von Aureus übernommen worden und fiel recht umfangreich aus. Zum kompletten Ritzelpaket samt Kette wurden die Bremsscheiben und Klötze ersetzt, was in Anbetracht der hohen Laufleistung von 17’489 km nicht ungewöhnlich ist. Aureus hätte dafür inklusive Service und Reinigung sowie dem Ersatz des abgerissenenen Rückspiegels Fr. 495.75 verlangt – was im branchenüblichen Rahmen liegt. Diesen Frühling wollte ich jedoch noch einen Schritt weitergehen und habe den Service selbst ausgeführt. Nach den regnerischen Frühlingen in den beiden Vorjahren sollten endlich auch die Federgabeln – am Aureus und am Trelago – zerlegt und gefettet werden, denn sie sprachen immer schlechter an. Ausserdem habe ich beim erneuten Kettenwechsel (wir ersetzen die Ketten jeweils bei Erreichen der Verschleissgrenze, um nicht jedes Mal auch noch das komplette Ritzelpaket mitwechseln zu müssen) den Antrieb komplett entfettet und auf Wachs umgestellt, was in diesem Frühling perfekt war, da es nur selten geregnet hat.
Der Gabelservice – beim Aureus bei km 19’887, am Trelago bei km 3856 – war ein Massaker. Anders kann man es nicht ausdrücken. Die Bikes stehen zu Hause nicht etwa draussen, sondern in der Garage. Dennoch hat sich bei beiden Bikes durch das Fahren im Regen in den Tauchrohren so viel Flüssigkeit angesammelt, dass die Federn teilweise unter Wasser standen. Das Fett wurde verseift und verlor seine Wirkung, was das schlechte Ansprechverhalten erklärte. Noch schlimmer: An den Gabelholmen des Aureus, die aus Aluminium bestehen, wurde an den Reibstellen die Oberflächenbeschichtung abgetragen. Eigentlich hätte man diese ersetzen müssen. Ich habe sie jedoch poliert und weiterverwendet. Etwas weniger schlimm, auch bedingt durch die wesentlich geringere Laufleistung, war der Zustand der stählernen Standrohre am Trelago, an denen sich stellenweise «nur» die Verchromung an den Reibstellen abgelöst und sich Rost gebildet hat. Auch diese Gabel wurde wieder gefettet und zusammengesetzt. Beim teilweise recht mühsamen und zeitaufwendigen Auseinandernehmen und Reinigen hat sich herausgestellt, dass sich diese Gabeln nur bedingt zum Service eignen. Darauf angesprochen, erklärte Sergio Tresch, dass sich der Service bei normalem Stundenansatz von 100 Franken in der Regel nicht lohne und die Gabel von vornherein ausgetauscht werde. Kostenpunkt pro Gabel: ca. 150 Franken.
Die hohe km-Leistung macht sich bemerkbar Bei km 20’447 ist am Power45 das Schaltkabel gerissen. Bei dieser Gelegenheit wurde auch gleich die Kette und 11er-Ritzel ersetzt, das mit der neuen Kette (sie wurde zuvor entfettet und im Heisswachs gebadet) übersprang. Das ist die Krux mit den E-Bikes generell. Sie werden oft in den grössten Gängen gefahren. Nicht so normale Fahrräder, für die die Schaltungskomponenten ursprünglich konzipiert wurden. Mechanisch ist es wegen des Polygon-Effekts jedoch ein Unsinn, die meiste Zeit auf 10er-, 11er- und 13er-Ritzeln zu fahren. Je kleiner das Ritzel, desto grosser wird die Reibung der Kette. Je weniger Ritzel im Einsatz sind, desto grösser ist der Flächendruck, was ebenfalls die Lebensdauer verkürzt. Um die Schaltung wieder präziser zu machen, habe ich zudem die Schaltröllchen ersetzt durch hochwertigere der Ultegra-Qualität, die anstelle von schnöden Lagerhülsen Industrielager besitzen. Beim nächsten Besuch in Luzern (km 22’111) hat Aureus zudem die Akkuaufnahme ersetzt, die beim Fahren gescheppert hat. Wie sich herausstellte, war sie gebrochen. Im Nachgang habe ich sicherheitshalber auf Kulanz von Aureus noch den linken Pedalarm ersetzt, der nach drei Stürzen und anschliessendem Zurückbiegen lädiert war. Ersetzt wurde ausserdem der hintere Bremssattel, da die Bremse erbärmlich quietschte, schlecht zog und auch der wiederholte Belagswechsel keine Besserung brachte. Das Phänomen ist nicht neu, dass Bremszangen nach langer, intensiver Nutzung irgendwann zu lecken beginnen. Kostenpunkt für Bremssattel und Kurbelarm: bescheidene 32 Franken. Danach stand das Aureus wieder da wie neu. Und das mit mehr als 23’000 km und noch immer mit dem ersten (1200 Wh) Akku, der sich nach wie vor keine Blösse gibt: Bei sommerlichen Temperaturen liegen in 90 Minuten noch immer 60 km und 1000 Höhenmeter drin! Die kühlen Temperaturen im Winter werden zeigen, wie sich der Stromspender hält.
Der komplette Testbericht ist in der Ausgabe 2/25 im Magazin easybiken zu lesen.
Text und Fotos: Martin Platter
aus: easybiken, Heft Nr. 2/2025