Der Preis, die Bestimmung des Verwendungszwecks, die korrekte Grösse, der Antrieb und eine Probefahrt: Ein E-Bike zu kaufen, ist keine Hexerei. Der Teufel steckt aber oft im Detail. Folgende Finessen bringen den Spass.
Jeder sechste E-Bike-Unfall bei Senioren passiert beim Auf- und Absteigen. Eine Zahl, die nachdenklich stimmt, denn das müsste nicht sein. Diese Unfälle haben in der Regel zwei Ursachen: Die abnehmende Beweglichkeit im Alter und ein E-Bike, das dieser Tatsache keine Rechnung trägt. Die gute Nachricht ist, dass sich das bei den meisten Fahrzeugen mit dem Wechsel zu einer versenkbaren Sattelstütze beheben lässt. Praktisch sind Pedelecs mit einem tiefen Rahmendurchstieg. Damit muss man das Bein beim Auf- und Absteigen nicht über den Sattel schwingen.
Die Sitzhöhe
Ganz generell sollte der Rahmen keinesfalls zu gross gewählt werden. Auch nicht, wenn das Angebot preislich ganz besonders verlockend ist. Denn sicheres Anhalten, Auf- und Absteigen sind die Grundlagen für eine unfallfreie Fahrt. Erreicht wird dies, indem man mit beiden Füssen und möglichst mit grossen Teilen der Fusssohle den Boden erreicht. Bei korrekt eingestellter Sitzhöhe geht das im Sattel sitzend aber nur, wenn sich die Sattelstütze zirka 15 Zentimeter absenken lässt. So bleibt man auch nicht mit dem Bein am Sattel hängen, wenn man sich aufs Rad schwingt.
Könnte man nicht einfach den Sattel so tief einstellen, dass man den Boden gut erreicht? Das ist keine gute Idee, denn der daraus resultierende kleine Kniewinkel mündet nicht selten in Schmerzen beim Pedalieren, wenn die Fahrt länger dauert. Die korrekte Sitzhöhe ist übrigens dann erreicht, wenn man im Sattel sitzend mit durchgestrecktem Bein das Pedal mit dem (flachen) Absatz erreicht. Da man nicht mit der Ferse pedaliert, sondern mit dem Fussballen, gibt es so den richtigen Knick ins Knie, damit man kraft- und gelenkschonend Treten kann.
Die Sitzlänge
Der zweite wichtige Tipp ist die korrekte Sitzposition. Steht der Lenker zu weit weg vom Sattel, sollte nicht der Sattel nach vorne geschoben werden, sondern ein kürzerer Vorbau montiert werden. Das ist das Teil, das den Lenker mit der Gabel verbindet. Je nach Modell kann der Vorbau auch im Winkel nach oben verstellt werden, was die Sitzlänge ebenfalls verkürzt. Wieso ist es wichtig, eher aufrecht auf dem Rad zu sitzen? So hat man die beste Übersicht im Strassenverkehr. Die untere Rückmuskulatur muss nicht den gesamten Oberkörper halten, wie das bei einer nach vorne geneigten, sportlichen Sitzposition der Fall ist, die bei Untrainierten oft zu Rückenschmerzen führt. Auch der Nacken ist entspannt. Man kann den Kopf einfach drehen, um vor dem Abbiegen nach hinten zu schauen.
Kleine Gänge
Gewiss: Der Motor ist eine grosse Hilfe beim Pedalieren. Dennoch tut es weder den Gelenken noch dem Antrieb gut, wenn man mit maximaler Unterstützung in der geringstmöglichen Tretkadenz durch die Gegend stapft. Ausserdem sieht es träge aus. Mindestens 60 besser 80 Pedalumdrehungen sollten es schon sein. Die höhere Drehzahl schont Muskeln, Gelenke und das E-Bike. Da die Kette weniger Kraft übertragen muss und auf grösseren Ritzeln mit mehr Zähnen gefahren wird, ist der Verschleiss geringer und auch der Motor und der Akku halten länger durch.
Der Sattel
Der Sattel und die Lenkergriffe lassen sich übrigens leicht auch selbst austauschen, sollten sie Druckstellen Schmerzen oder Taubheit auslösen. In guten Geschäften kann man den Sitzknochenabstand im Becken ausmessen lassen und von spezialisierten Sattelherstellern wie zum Beispiel SQlab den dazu passenden Sattel erwerben.
Er sollte möglichst waagerecht, je nach Vorliebe vielleicht mit zwei bis drei Grad Neigung der Sattelspitze montiert werden. Das Learning hier: Nicht die oberflächliche Weichheit des Sattels bringt den Sitzkomfort, sondern die passende Abstützung der Sitzhöcker im Gesäss und die Vermeidung von Druckstellen im Schritt. Gute Fahrt!
Mehr News gibt es in der Ausgabe 1/26 im Magazin easybiken.
Text: Martin Platter
aus: easybiken, Heft Nr. 1/2026