DAS SCHWEIZER E-BIKE-MAGAZIN

«HAUT IST LANGSAM»

IM GESPRÄCH MIT ... JEAN-PAUL BALLARD

Während Jahren hat Jean-Paul Ballard Formel-1-Boliden aerodynamisch optimiert. Heute widmet er sich dem Fahrrad mit all dessen Facetten und lokalisiert insbesondere beim schnellen E-Bike grosses aerodynamisches Verbesserungs­potenzial.

Als begeisterter Rennradfahrer und Triathlet begann Jean-Paul Ballard ab 2011 zunächst als Nebenprojekt mit aerodynamischen Verbesserungen an Fahrrädern und war Mitgründer von Swiss Side in Thalwil, die er seit seinem Ausstieg aus der Formel 1 2014 als Geschäftsführer leitet.
Als begeisterter Rennradfahrer und Triathlet begann Jean-Paul Ballard ab 2011 zunächst als Nebenprojekt mit aerodynamischen Verbesserungen an Fahrrädern und war Mitgründer von Swiss Side in Thalwil, die er seit seinem Ausstieg aus der Formel 1 2014 als Geschäftsführer leitet.

Jean-Paul Ballard, Radfahrer zeigen viel nackte Haut. Sie aber sagen, Haut ist langsam. Was meinen Sie damit?
Jean-Paul Ballard: Haut ist tatsächlich langsam. Der Grund ist simpel. Besonders an den Armen und Beinen hängt die Luft schlecht an und löst sich früh von der Haut ab. Das erzeugt viel Widerstand. Mit einer rauen Oberfläche könnte man diese Ablösung und damit den Luftwiderstand verkleinern. Das ist auch der Grund, weshalb der Radweltverband UCI sogar die maximale Sockenlänge reglementiert hat. Diese dürfen nur die halbe Unterschenkellänge bedecken. Sonst würden wohl etliche Radrennfahrer mit Strümpfen auf der gesamten Beinlänge fahren, weil diese windschlüpfriger sind. Radsportmannschaften, wie das Team Sky, das inzwischen Ineos heisst, haben den Effekt der Textilien im Windkanal ausgemessen.

Sind rasierte Beine wirklich schneller als unrasierte?
Jean-Paul Ballard: Das ist tatsächlich so. Man könnte aber die Beine auch so rasieren, dass sie aerodynamisch schneller sind. Ziel ist es, den Luftstrom von einem laminaren in einen turbulenten Zustand zu versetzen, so, wie es auch raues Gewebe macht. Der richtige Stoff bietet jedoch den besten Wirkungsgrad.

Hat die Bekleidung das grösste Potenzial, um windschnittiger zu sein?
Jean-Paul Ballard: Es gilt, das Gesamtsystem Fahrer und Fahrrad zu beurteilen. Die erste Baustelle ist immer der Fahrer. Das grösste Potenzial hat die Sitzposition. Je kleiner die Stirnfläche, desto besser. Zylindrische Körper verursachen den grössten Luftwiderstand, also Oberarme und Beine. Da lohnt es sich am meisten, mit der Bekleidung zu arbeiten. Diese sollte eng anliegen und keinesfalls im Wind flattern. Auch am Helm lässt sich die Aerodynamik verbessern. Vor allem die Tropfenform bringt gute Ergebnisse. Längere Helme sind besser als kurze.

Wie messen Sie das?
Jean-Paul Ballard: Wir haben einerseits einen Windkanal zur Verfügung. Ausserdem haben wir ein Gerät entwickelt, das es uns erlaubt, Feldmessungen zu machen. Unsere aerodynamische Entwicklung erfolgt jedoch hauptsächlich mit CFD; gemeint ist damit Computational Fluid Dynamics, beziehungsweise numerische Strömungssimulation.

Jean-Paul Ballard hat zusammen mit dem Swiss-Side-Aerodynamikteam eine Vorrichtung entwickelt, mit der sich der Luftwiderstand in Realsituationen auf der Strasse messen lässt.
Jean-Paul Ballard hat zusammen mit dem Swiss-Side-Aerodynamikteam eine Vorrichtung entwickelt, mit der sich der Luftwiderstand in Realsituationen auf der Strasse messen lässt.

Wie ist die Idee dazu entstanden?
Jean-Paul Ballard: Bevor ich Swiss Side mitgegründet habe, arbeitete ich während 14 Jahren in der Formel-1. Sieben Jahre davon als leitender Ingenieur im Sauber Formel-1-Team. Dort war ich bis 2014 verantwortlich für das komplette Formel-1 Auto-Konzept. In dieser Zeit habe ich gelernt, dass schnelle Rundenzeiten immer ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren sind. Ein starker Motor alleine macht ein Auto auf der Rennstrecke noch nicht schnell. Es gilt, die Kraft auf den Boden zu bringen und dabei möglichst wenig Luftwiderstand zu erzeugen. Das ist die Herausforderung, die sich auch beim Radfahren stellt. Wobei wir hier wesentlich weniger Leistung zur Verfügung haben. Die Aerodynamik wird damit zum wichtigsten Leistungsparameter. Mit den Feldmessungen kontrollieren wir, ob die Windkanalmes­sungen und CFD-Simulationen tatsächlich zutreffen.

Wie hoch ist das aerodynamische Poten­zial eines schnellen E-Bikes?
Jean-Paul Ballard: Das Potenzial ist riesig! Denn bei einer Verdoppelung der Geschwindigkeit vervierfachen sich der Luftwiderstand und damit auch die benötigte Leistung. Wir hatten bereits vor vier Jahren diesbezügliche Gespräche mit E-Bike-Herstellern. Aber der Boom hat bisher verhindert, dass sich Hersteller eingehend mit der Aerodynamik befassen. Das wird sich aber mit Sicherheit bald ändern. Es geht hier eben nicht nur darum, möglichst schnell zu sein, sondern um eine Effizienzverbesserung des gesamten Systems. Mit einer verbesserten Aerodynamik lässt sich wesentlich mehr Reichweite erzielen. Das heisst: Entweder mehr Reichweite oder bei gleicher Reichweite gegenüber dem herkömmlichen System ohne Aerodynamikverbesserungen kleinere Akkus und damit weniger Gewicht.

Das komplette Interview ist im Magazin easybiken zu lesen. Die Ausgabe 02/2019 lässt sich online bestellen.

Interview und Fotos: Martin Platter
aus: easybiken, Heft Nr. 02/2019

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