DAS SCHWEIZER E-BIKE-MAGAZIN

«EIN TRAIL MUSS SPASS UND SICHERHEIT BIETEN»

Der MTB-Profi René Wildhaber träumte schon vor 20 Jahren davon, am Flumserberg Bikestrecken zu realisieren. Heute ist sein Traum Realität, und er ist mitverantwortlich für Konzeption und Bau attraktiver Trails.

Seit 2017 sind am Flumserberg unter der Leitung von René Wildhaber vier Biketrails entstanden.
Seit 2017 sind am Flumserberg unter der Leitung von René Wildhaber vier Biketrails entstanden.
E-MTB-Enthusiast René Wildhaber Aufgewachsen in einer Bauernfamilie am Flumserberg, ermöglichte das Biken René Wildhaber, die Welt zu entdecken. Die grössten Erfolge feierte er an Langdistanz-Abfahrtsrennen, wie dem Mégavalanche in Alpe d'Huez, welches er sechs Mal gewann. Auch in der Enduro-World-Serie stand er mehrmals auf dem Podest. Mit dem Aufbau des Mountainbike-Angebotes am Flumserberg erfüllte sich der E-MTB-Botschafter ein lang gehegter Traum. Die Eröffnung der BikerTrails Red Fox und Red Rock im 2017 war sein persönliches Highlight. Er organisiert auch Fahrkurse für Bike- und E-Bike-Sportler: Von der Grundposition über Kurventechnik, dem richtigen Bremsen, Bunny Hopp bis zum stylischen Sprung wird individuell auf die Bedürfnisse der Biker eingegangen.
E-MTB-Enthusiast René Wildhaber
Aufgewachsen in einer Bauernfamilie am Flumserberg, ermöglichte das Biken René Wildhaber, die Welt zu entdecken. Die grössten Erfolge feierte er an Langdistanz-Abfahrtsrennen, wie dem Mégavalanche in Alpe d'Huez, welches er sechs Mal gewann. Auch in der Enduro-World-Serie stand er mehrmals auf dem Podest. Mit dem Aufbau des Mountainbike-Angebotes am Flumserberg erfüllte sich der E-MTB-Botschafter ein lang gehegter Traum. Die Eröffnung der BikerTrails Red Fox und Red Rock im 2017 war sein persönliches Highlight. Er organisiert auch Fahrkurse für Bike- und E-Bike-Sportler: Von der Grundposition über Kurventechnik, dem richtigen Bremsen, Bunny Hopp bis zum stylischen Sprung wird individuell auf die Bedürfnisse der Biker eingegangen.

Seit 2017 wurden am Flumserberg vier Trails gebaut, deren Routen Sie bestimmt und entwickelt haben. Worauf achten Sie bei der Definierung einer Strecke?
René Wildhaber: Die Strecke muss in das Gesamtkonzept von BikerBerg Flumserberg passen. Alle Anspruchsgruppen, wie Grundeigentümer, Alpbetrieb, Forst, Naturschutz, Jagd, Skibetrieb und so weiter, werden informiert und deren Anliegen angehört. Danach passe ich die Streckenführung so gut wie möglich ins Gelände ein.

Was sind die Herausforderungen beim Trailbau?
René Wildhaber: Die grösste Herausforderung ist, eine Bewilligung für eine Strecke zu erhalten. Das dauert schon mal drei Jahre. Die eigentliche Bauzeit ist dann kurz im Vergleich zur Planung. Beim Bau selbst sind das Wetter, das Gelände und die Bauequipe von entscheidender Bedeutung. Und es ist sehr wichtig, die Zeichen der Natur zu erkennen und die Strecken­definierung so gut wie möglich anzupassen. Das spart Kosten bei Bau und Unterhalt.

Sie nehmen auch selber die Motorsäge in die Hand und kümmern sich vor Ort um den Streckenverlauf. Was ist es beim Testfahren, was Ihnen das Gefühl gibt, dass eine Passage neu kon­zipiert werden muss?
René Wildhaber: Wenn gebaut wird, muss es vielfach sehr schnell gehen, und es geht mit der Linienführung nicht ideal auf. Manchmal ist man im Nachhinein schlauer. Das Gelände reagiert auch recht unterschiedlich auf Eingriffe. Wenn es von der Sicherheit oder vom Fahrgefühl her nicht mehr stimmt, müssen die BikerCrew der Bergbahnen Flumserberg und ich nach­bessern!

Was macht einen Trail anspruchsvoll?
René Wildhaber: Sicher das Gefälle. Aber auch der Untergrund und die Hindernisse sind massgebliche Kriterien für die Bewertung der Schwierigkeit eines Trails. Auf unserer einfachsten Strecke am Flumserberg durften wir den Blue Salamander-Trail relativ breit anlegen. Auch wenn man noch nicht so linientreu fährt, hat man doch einigen Spielraum, um auf der Strecke zu bleiben. Der Fahrbelag ist auch bei nassen Bedingungen sehr griffig. Das Gefälle wurde so tief wie möglich gehalten. Auch Halte- und Ausweichzonen wurden eingeplant.

Welche Hindernisse bauen Sie am liebsten ein?
René Wildhaber: Am liebsten nutze ich ganz natürliche Gegebenheiten des Geländes aus. Sprünge und Wallrides baue ich so, dass möglichst viel Spass bei gleichzeitiger Sicherheit geboten werden kann. Kurvenabfolgen sollten sauber aufgehen, damit ein schöner Fahrfluss, ein Flow, entsteht.

Die intensive Nutzung und auch die Erosion setzen den Trails zu. Was muss jedes Jahr erneuert werden?
René Wildhaber: Je nach Baugrund und Wasserfluss braucht es mehr Unterhalt. Im Sommer 2018 kam ein für unser Gebiet neues Phänomen hinzu: Es war am Waldrand so trocken, dass die Strecke zu zerfallen begann und sich in Staub auflöste!

Wer hilft mit beim Trailputz?
René Wildhaber: Am Flumserberg arbeitet eine BikerCrew regelmässig an den Biketrails. Sie setzt sich aus Mitarbeitern der Bergbahnen Flumserberg AG zusammen.

Die Flumserberg-Region ist auch ein Wandergebiet. Wie gehen Sie vor, um Konflikte zu vermeiden?
René Wildhaber: Wir bauen spezifische, attraktive Biketrails, welche die Biker anlocken sollen. Dadurch wird Konflikten mit Wanderern vorgebeugt. An sehr stark frequentierten Wanderwegen müssen wir eine besonders gute Trennung vorsehen, damit Biker wie Wanderer ein gutes Erlebnis nach Hause mitnehmen. Wir haben aber auch weniger begangene und befahrene Zonen, wo gegenseitige Toleranz zwischen Wanderern und Bikern gefordert wird.

E-Bike oder Bike? Was ist der Unterschied in Bezug auf Fahrgefühl und Technik, wenn Sie einen Trail befahren?
René Wildhaber: Mein E-Bike wiegt etwa so viel, wie die ersten Downhill-Bikes, die ich fahren durfte. Die Federung hat sich allerdings im Verlaufe der Entwicklung stark verbessert. Durch dieses Gewicht im Tretlagerbereich fährt sich das E-Bike ruhiger, wenn die Strecke ruppig ist. Es bevorzugt und erlaubt einen relativ passiven Fahrstil. Mein Bike ohne Motor ist viel leichter und agiler. Ich fahre es aktiver, es lässt sich einfacher manövrieren.

Es fehlen noch Singletrails der Skala S4/S5. Eignet sich das Gelände dafür nicht, oder was sind die Gründe?
René Wildhaber: Am Bikerberg Flumserberg versuchen wir ein touristisch attraktives Angebot aufzubauen. Zuerst wollten wir mit einfacheren Trails beginnen. Es ist bei uns schwieriger, Gelände für einfache Trails zu finden als für schwierige Bike-Strecken. Da die Trails dank Bergbahntransport oft befahren werden können, kommt es zu starkem Verschleiss, wenn viel gebremst werden muss, was auf steilen, schwierigen Trails mehr der Fall ist als auf flacheren. Wir haben in der Ferienregion Heidiland aber sonst viele schöne Singletrails, welche auf Niveau S4/S5 anzusiedeln sind.

Sie sind immer noch an MTB-Rennen dabei. Welche Kategorie reizt Sie am meisten und weshalb?
René Wildhaber: Viele Jahre bin ich an Bike-Rennen unterwegs gewesen. Die Langdistanz-Abfahrten durfte ich über viele Jahre hinweg weltweit dominieren. Nun bin ich nur noch bei ausgewählten Events dabei. Mir gefallen Events am besten, an denen ich den originalen Bike-Spirit finde: Die Fahrerinnen und Fahrer müssen einander helfen, um die Strapazen des Rennens zu meistern. An den mehrtägigen Enduro-Rennen finde ich das noch: In der Zeltstadt übernachten und tagsüber neue Trails befahren, Landschaften entdecken, Leute kennenlernen, sich dem Wetter anpassen und anderen Fahrern bei Defekten oder Verletzungen beistehen. Ein Abenteuer!

Sie sind E-MTB-Botschafter. Was verstehen Sie darunter? Welches sind Ihre Aufgaben?
René Wildhaber: Das Thema E-Bike ist in aller Munde, ein Boom. Ich versuche das ganze Thema nachhaltig mitzugestalten. Sicherheits-, Fahrtech­nikkurse, Produkte-Präsentationen und Entwicklungs-Testfahrten gehören zu meinen Aufgaben.

Welche Vorteile haben E-MTBs?
René Wildhaber: Mehr Leute können den Spass am Radfahren erleben. Biker mit unterschiedlichen Leistungs-Niveaus können zusammen ausfahren. Auch wenn nur wenig Freizeit im Alltag bleibt, können sehr lohnende Touren unternommen werden. Persönlich brauche ich das E-Bike zudem oft, um mit einem schwer beladenen Rucksack zum Trail-Unterhalt auszurücken.

Welches Bike fahren Sie?
René Wildhaber: Aktuell fahre ich am meisten mit dem von mir mitentwickelten Trek Slash und dem Trek Powerfly 9LT. 

Kurvige, flowige Biketrails sind das Ergebnis einer akribischen, kompetenten Planung und Umsetzung.
Kurvige, flowige Biketrails sind das Ergebnis einer akribischen, kompetenten Planung und Umsetzung.
René Wildhaber fährt die Trails regelmässig ab, um sie auf Sicherheit und Fahrgefühl hin zu prüfen.
René Wildhaber fährt die Trails regelmässig ab, um sie auf Sicherheit und Fahrgefühl hin zu prüfen.

BIKETRAILS FLUMSERBERG
Seit dem 1. Juli 2017 werden am Flumserberg vier BikerTrails angeboten – alle sehr flowig und familienfreundlich: Zwei blaue, einfache, sowie zwei rote, mittelschwere Biketrails schlängeln sich von 1939 m bis nach 1220 m den Flumserberg hinunter.

Blue Salamander: Der blaue Trail (= einfach) startet auf der Hochebene Prodalp auf 1576 m, direkt neben der Bergstation Prodalp-Express. Über 3,8 km führt er über unterschiedliches Terrain (Dolomit, roter Schiefer, Holz und Erde-/ Kiesgemisch) nach Tannenheim auf 1220 m.

Red Fox: Der rote Trail (= mittelschwer) startet auf dem Prodkamm auf 1939 m und führt über 3,5 km mit viel Flow zurück nach Prodalp.

Red Rock: Der rote Trail zweigt bei Twärchamm vom Red Fox ab. Man fährt durch Alpwiesen, über kleine Brücken, vorbei an der roten Felswand zum Chrüz und durch den Wald nach Tannenboden. Distanz: 3,7 km.

Blue Bunny: Der blaue Trail verbindet die Ortschaften Tannenboden und Tannenheim und mündet in den unteren Teil des Blue Salamander ein. Kurze Pedalier-Abschnitte, gebaute Wellen und Kurven sind auf der 1,8 km langen Strecke anzutreffen. Im Herbst 18 wurde zudem ein Trailabschnitt namens Bunny Hopp eröffnet, mit dem Ziel, die Verbindung zwischen Tannenboden und Tannenheim noch attraktiver zu machen.

flumserberg.ch

Interview: Maja Fueter
aus: easybiken, Heft Nr. 1/2019

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